Das Model im Beitragsbild ist Pia, fotografiert von Richard.

teil 1: warum überhaupt freie Shootings?

Als Model sind freie Shootings eine gute Gelegenheit, dein Portfolio auszubauen und Erfahrung vor der Kamera zu sammeln. Allerdings sollte man wissen, wann ein freies Shooting Sinn ergibt und wann man besser darauf verzichten sollte. Darum geht es im ersten Teil dieses Artikels. Im zweiten Teil erkläre ich dann, wie ein Test Shoot normalerweise abläuft, wie du dich vorbereiten kannst und wie du dich währenddessen und danach verhalten solltest.

Kurz als Vorbemerkung: Freie Shootings, TfP (Time for Pictures/Prints) und Test Shoots bedeuten grob gesagt das gleiche.

wie entscheidest du, ob du ein freies shooting machen solltest?

Drei Voraussetzungen sollten mindestens erfüllt sein, damit du ein freies Shooting machst:

  1. Du darfst und kannst die Bilder für deine Sedcard verwenden. Das heißt, du bekommst die Bildrechte dafür vom Fotografen, und die Bilder bringen deine Sedcard auch weiter.
  2. Der Fotograf (m/w/d) muss seriös und vertrauenswürdig sein.
  3. Bezahlte Jobs, und natürlich dein „echtes Leben“, dürfen nicht darunter leiden.
  4. (optional, aber sehr empfohlen) Das Shooting sollte Spaß machen.
erweiterung deiner sedcard

Bei der Zusammenstellung deiner Sedcard/deines Portfolios (beides bedeutet in etwa das gleiche) musst du dir bewusst sein, dass du in erster Linie für Jobs gebucht wirst, die in deinem Portfolio schon in ähnlicher Weise vorhanden sind. Das bedeutet, du solltest es in die Richtung erweitern, in die du gehen möchtest. Wenn du zum Beispiel für Beauty gebucht werden möchtest, ist ein künstlerischer Editorial Fashion Shoot als freies Shooting nicht so sinnvoll. Wenn du Unterwäsche nicht wirklich als Job machen willst, ist ein freies Shooting in dem Bereich keine gute Idee. Deshalb ist es auch wichtig, dass du klar weißt, in welche Richtung es gehen soll. Darüber sollten wir auch ausführlich reden. So können wir für dich freie Shootings organisieren, die dich weiter bringen.

Abgesehen von Thema und Aufnahmebereich sollte natürlich auch die Qualität der Fotos stimmen, sonst schaden sie deinem Portfolio eher als dass sie nützen. Mit der Zeit bekommt man ein gutes Auge dafür, aber am Anfang ist es nicht ganz leicht, gute von mittelmäßigen Fotos zu unterscheiden. Da können wir dir natürlich auch helfen.

vertrauenswürdige fotografen

Leider gibt es in der TfP-Szene nicht gerade wenige Fotografen, mit denen man aus verschiedenen Gründen lieber nicht arbeiten sollte. Zwar kann man sagen, dass tendentiell die Fotografen umso vertrauenswürdiger sind, je besser sie fotografieren, aber auch unter den besten und bekanntesten Fotografen gibt es komische Typen (ja, meist sind es Männer). Dieses Thema verdient einen eigenen Artikel, aber zunächst gibt es ein paar Sachen, die wichtig sind:

  • Du solltest dich auf keine Deals einlassen, was die Aufnahmebereiche angeht. Viele zweifelhafte Fotografen bieten an, die Fotos zu machen, die du willst, wenn du im Gegenzug die Fotos machst, die sie wollen (meist solche mit viel Haut). Das freie Shooting sollte ein Thema haben, was ihr beide machen wollt und was euch beiden nützt. Abgesehen davon, dass es eine zweifelhafte Art ist, dich eventuell zu etwas zu überreden, was du eigentlich nicht machen möchtest, werden die Bilder, die du eigentlich willst auch oft nicht so gut, weil sie nicht das sind, was den Fotografen tatsächlich interessiert.
  • Du solltest eine Begleitung mitbringen dürfen oder das Shooting an einem sicheren Ort machen können. Wenn der Fotograf darauf besteht, das Shooting bei sich (oder bei dir) zuhause zu machen und du keine Begleitung mitbringen (oder haben) darfst, sollten die Alarmglocken klingeln. Oft ist es eine gute Idee, das erste Shooting mit einem Fotografen an einem sicheren Ort durchzuführen (zum Beispiel in unserem Studio).
  • Du solltest keine Verträge unterschreiben, ohne dass du sie gründlich liest, oder besser noch von uns im Vorfeld überprüfen lässt. Am besten ist es, du verwendest für deine freien Shootings unsere Verträge, dort ist alles Wichtige klar formuliert. Im Zweifel ist kein Vertrag immernoch sicherer als ein schlechter Vertrag. Unseren Mustervertrag für freie Shootings, der alle Bereiche, die für dich als Model wichtig sind, abdeckt, schicken wir dir gern per E-Mail zu.
  • Du solltest nicht zu lange auf die Bilder aus dem Shooting warten müssen. Ein Monat ist schon lang. Eine Woche ist perfekt. Zwei Wochen sind vertretbar. Auch das ist in unseren Verträgen geregelt, aber in der Praxis ist es schwer, Bilder zu „erzwingen“. Leider gibt es Fotografen, die entweder notorisch langsam in der Bereitstellung von Bildern sind oder sie gar nicht herausrücken wollen.
  • Es gibt noch eine Reihe weiterer „Warnsignale“. Unpassende Nachrichten, gewünschte Treffen zur Auswahl der Bilder, Überredungsversuche, was die Aufnahmebereiche anbelangt, und so weiter. Am sichersten ist es, wenn wir als Agentur die Shootings organisieren und auch mit den Fotografen kommunizieren. Glücklicherweise kenne ich die Szene rund um Freiburg inzwischen recht gut und kann größtenteils schon sagen, ob ein Fotograf vertrauenswürdig ist und ob es sich lohnt, mit ihm zu arbeiten.
prioritäten

Freie Shootings machen (meistens) Spaß! Es gibt viele Models, die ausschließlich auf TfP-Basis arbeiten. Wenn man Zeit dafür hat und Spaß an der Sache, ist dagegen nichts einzuwenden. Bezahlte Jobs sollten allerdings Vorrang haben. Erstens steckt man sonst schnell im TfP-Dschungel und bekommt weniger bezahlte Aufträge, zweitens kann es auf Dauer durch die Fahrtkosten und Vorbereitung — vom Zeitaufwand gar nicht zu reden — recht teuer werden. Selbstverständlich sollten auch Schule, Studium, Beruf oder Privatleben nicht darunter leiden. Letztendlich musst du das selbst entscheiden, aber ich empfehle, eher wenige, dafür aber „wertvolle“ TfP-Shootings zu machen.

erfahrungen sammeln und experimentieren

Freie Shootings sind ideal um sich daran zu gewöhnen, vor der Kamera zu stehen. Jeder Fotograf arbeitet anders, deshalb hilft einem jedes Shooting, sich besser auf verschiedene Fotografen einzustellen. Außerdem sind sie die ideale Gelegenheit, mit verschiedenen Posen und Ausdrücken zu experimentieren. Sei mutig, nur so entwickelst du dich auch weiter! Freie Shootings können auch eine gute Gelegenheit sein, sich an neue Themen oder Aufnahmebereiche heranzutasten, allerdings nur (!!), wenn man dem Fotografen auch absolut vertraut! Wenn du bei einem freien Shooting dein Repertoire erweitern kannst, ist das eine tolle Sache.

Im zweiten Teil dieses Artikels geht es in erster Linie über den Ablauf von und dein Verhalten vor, bei und nach freien Shootings. Falls du zwischendurch oder sonst irgendwann Fragen haben solltest, kannst du uns jederzeit schreiben.

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