Das Model im Beitragsbild ist Maike, fotografiert von Richard.

In diesem Artikel geht es darum, wie du dich verhalten solltest, wenn du für einen bezahlten Job gebucht wirst. Im Gegensatz zu freien Test Shoots gibt es da ein paar Dinge, auf die du achten solltest und andere, die du vermeiden solltest.

oberstes gebot: professionalität

Im Grunde lassen sich alle Empfehlungen darunter zusammenfassen: Verhalte dich professionell. Aber was genau bedeutet das eigentlich? Ein paar Sachen sollten selbstverständlich sein, zum Beispiel (übertriebene) Pünktlichkeit. Da die Branche sehr sensibel für Timing ist, ist es bei bezahlten Jobs wahnsinnig wichtig, pünktlich, beziehungsweise überpünktlich zu sein. „On time is late, early is on time“ ist der Spruch, der sich (übrigens auch beim Film) eingebürgert hat, und an dem sollte man sich auch orientieren. Das bedeutet, du solltest schauen, dass du so planst, dass du eine Viertelstunde zu früh am Set bist. So hast du noch ein Polster für den Notfall.

Ein weiteres wichtiges Kapitel ist deine Vorbereitung. Dazu gehört genügend Schlaf und Flüssigkeit am Tag zuvor, aber oft auch mentale Vorbereitung und etwas Forschung. Für wen modelst du, was für eine Art Fotos werden gemacht, was sind die Outfits, was ist der Stil des Labels oder Designers oder des Unternehmens, für das du modeln wirst? Posen die Models eher streng oder eher ausgelassen, sind die Fotos eher konservativ oder experimentell, ist das Styling und Makeup ausgefallen oder einfach? Und so weiter. Um das zu sehen, hilft ein Blick auf die vorherigen Kampagnen des Labels. Oft gibt es zur Vorbereitung auch ein Moodboard, an dem du dich orientieren kannst. Natürlich musst du auch wissen, ob du etwas bestimmtes mitbringen sollst, ob das Makeup, Outfits oder Schuhe sind.

Wenn du dann pünktlich und vorbereitet am Set bist, ist selbstverständlich auch wichtig, wie du aussiehst, also dein Erscheinungsbild. In den meisten Fällen wollen Auftraggeber eine „blanke Leinwand“, also natürliche gepflegte Haut, Nägel, Haare, Wimpern, Augenbrauen, Lippen, etc. Bei manchen Shootings ist es wichtig, dass du keine Druckstellen durch Kleidung am Körper hast (z. B. verursacht durch BH-Träger an den Schultern, ein enges Haarband am Handgelenk, eine enge Jeans oder Socken mit engem Gummizug. Wenn dein Körper (Beine, Oberkörper) wichtig für die Fotos ist, solltest du eher in weiten Klamotten auftauchen und möglichst auch keine enge Unterwäsche tragen.

Beim Shooting oder Job an sich, ist dann dein Verhalten am wichtigsten. Wenn du für einen Job gebucht wirst, ist dieser (im Gegensatz zu beispielsweise vielen TfP-Shootings) meist schon ziemlich genau durchgeplant, das heißt, es ist oft relativ klar, was für Fotos am Ende herauskommen sollen. Dementsprechend solltest du mit eigenem Input eher vorsichtig sein und ihn nur dann geben, wenn er auch gewünscht ist. Richte dich zunächst nach den Posen, die die Fotografin vorschlägt. Meist ist danach noch Zeit und Gelegenheit, etwas zu probieren. Am Set solltest du „professionell gut gelaunt“ und umgänglich sein. Dazu gehört, normal zu kommunizieren, nicht über die Outfits oder das Makeup zu meckern, bereit zu sein, fotografiert zu werden, konzentriert bei der Sache zu sein und nicht durch das eigene Verhalten die Dinge unnötig kompliziert zu machen. Es gibt einige Dinge, die man in jedem Fall vermeiden sollte, aber dazu später mehr.

Nach dem Job solltest du dich selbstverständlich weiter professionell verhalten. Du bist für etwas bestimmtes gebucht worden (ein Shooting, einen Walk, ein Fitting, und so weiter), sobald das erledigt ist, ist auch dein Job erledigt. Es gibt keinerlei Verpflichtung, danach noch mit auf eine Party zu gehen oder sich zum Essen einzuladen lassen oder ähnliches. Wichtig ist nur, dass du dir den Job bestätigen lässt (damit ich ihn als Agentur auch in Rechnung stellen kann) und dass du einen guten, professionellen Eindruck hinterlässt, sodass du die Chance hast, für Folgeaufträge gebucht zu werden.

was du nicht tun solltest

Bei bezahlten Jobs gibt es definitiv einige Dinge, die du nach Möglichkeit vermeiden solltest. Zum einen sind das natürlich die Gegenteile von den Punkten, die wir oben erklärt haben, also Unpünktlichkeit, keine Vorbereitung, ungepflegtes oder künstliches Erscheinungsbild, betont schlechte Laune, Diva-Verhalten und ähnliches. Zum anderen gibt es aber auch viele Verhaltensweisen, die bei einem professionellen Job nichts zu suchen haben.

Eine ungeschriebene Regel ist, dass du beim Job nicht über dein Honorar sprechen solltest und auch nicht Fragen dazu stellen solltest. Das Honorar wurde vorher ausgehandelt, die Agentur bezahlt dich dann, wenn sie es bekommen hat und auch Dinge wie Fahrt- oder Verpflegungskosten sollten im Vorfeld geklärt sein. Beim Job selbst, insbesondere bei Fotoshootings, lenkt jede Unterhaltung darüber nur ab und kann sehr störend sein. Deshalb erzähle nicht herum, wieviel Geld du bekommst, frage nicht, wann und wie du bezahlt wirst und ob deine Fahrtkosten übernommen werden. Das regelt die Agentur. Die einzige Ausnahme kann sein, wenn der Job so erweitert wird (beispielsweise länger dauert), dass er den ursprünglichen Umfang deutlich überschreitet. Dann ist ein kurzer Hinweis, dass das selbstverständlich auch berechnet wird, angebracht. Auch diese Fälle sind fast immer in dem Vertrag zwischen Auftraggeber und Agentur klar geregelt, das heißt, du musst nicht deine eigenen Verhandlungen führen. Aber es muss klar sein, was außerhalb der Kulanz liegt (üblicherweise alles, was mehr als eine halbe Stunde länger dauert als geplant).

Im Gegensatz zu TfP-Shootings ist es auch nicht angebracht zu fragen, ob du die Bilder zwischendurch sehen darfst. Wenn der Fotograf dir die Bilder zeigen möchte, schau sie dir an (und reagiere positiv, Kritik und Negativität hilft in diesem Moment niemandem — konstruktive, vorsichtige Hinweise vielleicht aber schon), ansonsten denke daran, dass die Bilder nicht dir gefallen sollen sondern dem Auftraggeber. Deswegen ist es auch nicht wichtig für dich, die Bilder zu sehen. Es wird viele Shootings geben, bei denen Bilder entstehen, die nicht zu deinen Lieblingsbildern gehören werden, aber das ist eben auch der Grund, warum du ein Honorar bekommst. Die Neugier ist groß, aber tatsächlich kann es einen selbst auch aus dem Rhythmus bringen, wenn man die Bilder zwischendurch sieht. Bei vielen professionellen Shootings gibt es auch ein sogenanntes Tethered Setup, das heißt, die Bilder werden direkt auf einen Computer übertragen und dort groß angezeigt. Auch davon sollte man sich nach Möglichkeit nicht zu sehr ablenken lassen, also nicht nach jedem Foto auf den Bildschirm schauen.

Bei Jobs, bei denen ein komplettes Team anwesend ist (nicht nur ein Fotograf oder sonst eine einzelne Person), solltest du niemanden mitbringen. Das gilt natürlich nur, wenn du über 18 Jahre alt bist. Falls du unsicher bist, kann unsere Agentur eine Begleitung organisieren, aber Eltern, Freunde, Haustiere und Maskottchen sollten zuhause bleiben. Dies gilt besonders in Zeiten von Corona. Schlimmstenfalls lenken sie ab, mischen sich ein und stören so den Job, bestenfalls sitzen sie rum und langweilen sich. Natürlich gelten andere Regeln, wenn du ein TfP- oder Test Shoot mit einem Fotografen machst und der dich womöglich sogar in sein „Heimstudio“ einlädt. Da ist es sogar ratsam, jemanden mitzubringen. Auch das können wir gern übernehmen oder organisieren — natürlich nur, wenn du auch Model in unserer Agentur bist.

Solange der Job läuft, ist für dich Arbeitszeit. Vieles verbittet sich dadurch von selbst: Ständige Blicke aufs Handy stören, lenken alle ab und zeigen, dass du nicht bei der Sache bist. Dein Handy sollte in der Regel während der Shootingzeit lautlos oder ausgeschaltet sein. Kaugummi kauen empfinden viele als respektlos und störend, insbesondere bei Fotoshootings. Essen in kurzen Pausen ist auch nicht ratsam: Eventuell wird das Makeup ruiniert, schlimmstenfalls das Outfit, was nicht dir gehört und noch (sauber) fotografiert werden soll. Bei längeren Jobs gibt es natürlich Essenspausen und möglicherweise auch Catering. Lass dich auch nicht zu sehr durch Unterhaltungen ablenken, vor allem mit unbeteiligten Personen. Wenn dich der Fotograf etwas fragt, ist es natürlich erlaubt (und gewünscht), dass du antwortest, aber wenn du sonst beim Shooting unablässig redest, gibt es oft gar keine Gelegenheit mehr, dich zu fotografieren. Bleib bei der Sache, fokussiert und konzentriert.

grenzüberschreitungen

Selbstverständlich gilt nicht nur für dich, dass du dich professionell verhalten solltest sondern gleichermaßen auch für den Auftraggeber und die beteiligten Personen am Set. Es ist anfangs nicht ganz einfach, einzuordnen, was „normal“ ist und was eine Grenzüberschreitung darstellt. Kurz gefasst ist alles, was zu sehr und zusammenhanglos ins persönliche geht, nicht angebracht. Dazu gehören selbstverständlich übermäßiges Flirten, persönliche Fragen, Einladungen, Berührungen und generell respektloser Umgang. Kritik wird es immer geben, aber sie sollte respektvoll und konstruktiv sein. Du solltest sie nicht persönlich nehmen, aber sie sollte auch nicht so formuliert oder geäußert werden, dass sie dich als Person angreift.

Bei vielen Jobs gibt es auch ein „Drumherum“, ob es das gemeinsame Essen ist oder eine Art Wrap Party (eine Party nach dem erfolgreichen Shooting oder Projekt). Ob du da „mitmachst“, ist ganz allein deine Sache. Sicher kann es nützlich sein, um sich ein Netzwerk aufzubauen oder Kontakte zu intensivieren, aber du solltest nie das Gefühl haben, verpflichtet zu sein, persönliche Kontakte zuzulassen. Natürlich musst du auch deine private Telefonnummer oder sonstiges nicht herausgeben — die Kontaktaufnahme läuft über die Agentur, und wir kümmern uns darum, dass die Personen, die dich kontaktieren müssen auch kontaktieren können. Der Fotograf braucht deine private Nummer nicht.

Eine ungezwungene Atmosphäre am Set ist sehr häufig und auch ein wichtiger Grund, warum der Job als Model viel Spaß machen kann. Es ist normal, geduzt zu werden, ein (stellenweise sehr) familiärer Umgangston ist ebenso verbreitet. Leider führt das gelegentlich auch dazu, dass die Sensibilität dafür, was angemessen ist und was nicht, ein wenig verloren geht. Der beste Ratschlag ist, auf deinen Instinkt zu vertrauen. Wenn sich etwas komisch und unangebracht anfühlt, ist es das in der Regel auch. Viele Leute erzählen einem, dass dies oder jenes völlig normal ist und man sich „nicht so anstellen“ soll, aber das eigene Gefühl ist immer ein besserer Ratgeber!

Bei eindeutigen Grenzüberschreitungen, die sich am Set nicht ohne weiteres lösen lassen, ist es dein gutes Recht, den Job abzubrechen und zu verschwinden. Bitte gib der Agentur in dem Fall möglichst bald Bescheid, damit wir das regeln können. Ein selbstbewusstes Auftreten und das klare Setzen von Grenzen ist sicher hilfreich (und auch sehr vorteilhaft als Model), aber es sollte nicht in deiner Verantwortung liegen, dafür zu sorgen, dass alle anderen sich professionell benehmen.

Wir hoffen, diese Tips helfen dir dabei, dich bei deinen ersten bezahlten Jobs zurechtzufinden und sie professionell zu absolvieren. Sie können natürlich die Erfahrung nicht ersetzen, aber als Vorbereitung und Orientierung sind sie hoffentlich hilfreich. Wenn du noch weitere Fragen hast, zögere nicht, sie in die Kommentare zu schreiben.

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